30. August 2009

Politik versucht Web 2.0 und macht Web 0.2beta

Nach dem Wahlsieg des amerikanischen Präsidenten Obama (den ich übrigens immer noch für einen der allergrößten Politiker des Neuen Jahrtausends halte!) hat sich wohl auch bei deutschen Politikern rumgesprochen, dass es erstens ein WWW gibt und zweitens das da wohl auch eine Gruppe potentieller Wähler hinter den Bildschirmen sitzt. Bundeskanzlerin Merkel wurde ja schon relativ früh von ihren Beratern vor eine Kamera gesetzt, um mehr oder weniger Staatstagendes über Podcast zu verkünden und hat es immerhin schon auf Folge 141 der Politik - Soap gebracht! Auch das Innenministerium hat laut neuster Studien erkannt, dass sich im Internet zwischen den 89% Terroristen und anderem “Bösen” wohl auch ein paar Wähler verstecken könnten! Nachdem die Sekretärin von Herrn IM Schäuble laut einer urban legend noch vor Jahren das Internet wohl jeden morgen ausgedruckt hat (!), veranstaltet das Innenministerium jetzt sogar schon “so genannte” BarCamps um über ein “E-Government 2.0″. Ob es sich dabei um eine Veranstaltung zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter für BND/BKA aus den Piraten- und Hacker -Kreisen handelt oder um eine Reaktion auf den Erfolg der Onlinepetition zu den “Zensurursular” Gesetzen, enzieht sich meiner Kenntnis. Aber das ist eine andere geschichte, auf die ich bald ein wenig genauer eingehen möchte…

Auch der “normale” Politiker hat in Wahlkampfzeiten das Web 2.0 für sich entdeckt. Nur leider hat ihnen und den politischen Wahlkampfberatern wohl niemand erklärt, was Sinn und Zweck von twittern, Facebook oder Blogging ist? Anders kann ich mir wirklich nicht erklären, wieso Politiker aller Parteien so einen Scheiss Mist über die jeweiligen Seiten verbreiten! Neben üblichen “Belanglosigkeiten” wie:”ich fahre gerade von A nach B” über ausführlichen Schilderungen der Ess- und Trinkgewohnheiten “Heute gib es Freibier und Weisswurstessen in Bla” bis hin zu der tollen Info, dass ab irgendwann endlich meine Plakate jeden Baum in der Stadt verunstalten schmücken. Wenn die es nicht über Twitter und FB verbreiten würden - es wäre mir bestimmt nicht aufgefallen! Vielleicht denken die Damen und Herren, die mich da grinsend von jedem Laternenmast anschauen, dass sind eh alles irgendwelche Geeks, die sich von kalter Pizza und Bier ernähren und tagelang kein Tageslicht sehen, weil sie “Counterstrike”etc. spielen und man sie deshalb darauf hinweisen muss?

Irgendwie beschleicht mich dass Gefühl, die Wahlkampfstrategen haben da für ihre Klienten jeweils einen kostenlosen Account angelegt und ihnen gesagt, sie dürfen da was rein tippen - nur leider nicht was!  Im schlimmsten Fall wissen wohl diese Strategen noch nicht einmal, dass sich da ihr Politiker eingetragen hat? Da das ja nichts kostet, füttert man/frau sein Profil ohne jeden Inhalt, da ja schliesslich schon Unsummen für Plakate, Werbespots und der gleichen verbraten worden sind!

Besonders dreist, aber immerhin mit “Inhalt” agieren dann die Gruppen, die die sozialen Netzwerke dazu missbrauchen, den politischen Gegner zu verunglimpfen! Da wird die Netiquette und Forumsregeln mal einfach ber Bord geworfen um dem “Feind” etwas nettes an zu hängen. “Dreist” deshalb - weil fleissig geklaut, ohne irgend ein “Urheberrecht” etc. zu beachten ins Netz gestellt - genau diese Gruppen politisch eine stärkere Kontrolle und Überwachung des Internet fordern! Wenn auch der Versuchsballon “Kipo” scheinbar böse in die Hose *ups* gegangen ist, die Lobby der Musik-, Verlags- und Internet-Industrie sitzt ja schon in den Starlöchern, um nach der Bundestagswahl ihre “Wunschliste” endlich um zu setzen. Endlich den Raubkopieren, Bloggern, freien Musikproduzenten und Bands und Studenten die ihre Hausarbeiten aus dem Internet abtippen (Liste läßt sich je nach belieben erweitern!) bei zu kommen und einen grossen “Riegel” vor zu schieben. Die Entwürfe dazu liegen schon in den Schubladen, bzw. wurden schon mal in anderen Ländern (”three stricks” in F und GB) versucht um zu setzten.

Also bitte bitte erklärt Euren (zukünftigen) Abgeordneten doch bitte, was soziale Netzwerke in Web 2.0 sind! Es gäbe so tolle Möglichkeiten, endlich mal direkt zwischen den “Volksvertretern” und seinen Wählern zu diskutieren! Einfach mal FRAGEN stellen - was halte ihr von der oder jener Idee, wie könnte so etwas gelöst werden, wo “drückt Euch der Schuh”, oder auch: das finde ich gut - was halte ihr davon liebe Internetgemeinde? Wieso macht das fast niemand? Beispiele gibt es doch wirklich genug im Netz! Schaut doch mal (zugegeben meine Lieblingsseite) bei Spreeblick vorbei - was da für wirklich gute Diskussionen laufen! Vollkommen kostenlos und informativer als die “Tagesschau”!

Übrigens - nicht damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Hier sind alle Politiker aller im Bundestag vertreten Parteien gemeint! Also schaut mal was Eure Kandidaten  denn so für Unsinn mit dem Web 2.0 anstellen! Schaut mal wie es die Damen und Herren mit dem Internet und  Netzneutralität, Onlineüberwachung usw. denn halten? Und wo die Inhalte sind - über positive Beispiele würde ich mich freuen!

Aber oder deshalb der Fairness wegen: Das Profil von Herrn Kriechbaum (CDU - Pforzheim) habe ich aus meinem FaceBook wieder gelöscht!

15. Mai 2009

Zensurursular

Kategorie: Allgemeines — Tags: , , , , , – admin @ 01:07

Wie Ihr vielleicht über die Medien mitbekommen habt, hat Familienministerin Ursula von der Leyen zum ganz grossen Schlag gegen Kinderpornografie ausgeholt und damit weite Teile der “Internetgemeinde” auf die Barrikaden getrieben.

Gut und um dass hier am Anfang gleich dick und schwarz und unübersehbar zu tippen: Missbrauch von Kindern (ob jetzt sexuell oder in einer anderen Art) ist ein VERBRECHEN und sollte aufs schärfste verfolgt werden! Und dass mit allen Mitteln die unserer Gesellschaft zur Verfügung stehen!

Nur liebe Frau von der Leyen (und zu Guttenberg) so nun aber auch nicht! Aber der Reihe nach: Nach der vom Wirtschaftsministerium (!) eingebrachten Gesetzesentwurf soll zukünftig das BKA eine Liste von Seiten mit Kinderpornografischen Inhalt erstellen. Diese soll dann an die grossen Provider (Anbieter der Internetzugänge) weitergeleitet werden, die diese Seiten dann mit einem “Stopschild” versehen, so das kein Surfer mehr auf die Seiten zugreifen kann. Soweit die Theorie.

Diese Sperre soll durch den DNS Eintrag ermöglicht werden - das “Telefonbuch” des Internets. Tja, und da fängt die Sache an, ganz schief zu laufen: Dieser DNS Server, der dann das Stoppschild auf die beanstandete Seite “klebt” ist natürlich nicht der einzige DNS Server - genauso wie es ja auch nicht nur eine Telefonauskunft gibt. Für den Internetbenutzer, der sich ein wenig auskennt (bei YouTube gibt es gefühlte alleine 100 Filme darüber, wie eine solche Sperre zu umgehen ist) ist es also kein Problem, mal hinter dieses “Stoppschild” zu sehen - wenn er/sie denn mag!

Weshalb also dann die Aufregung? Es geht hier um ein bisschen mehr, als “nur” die Bekämpfung von sexuellem Missbrauch von Kinder! Es geht ein Stück weit um unsere in der Verfassung verankertes Recht auf freie Meinung und damit auch auf Beschaffung von dieser. Und diese wird ein Stück weit ausgehebelt mit diesem Gesetz. Hier soll eine Behörde (BKA) eine (natürlich) geheime Liste erstellen, auf der dann vermeintlich “böse” Inhalte zu finden sind. Dieses kann aber von NIEMANDEN wirklich nach geprüft werden! Mal ganz davon abgesehen, dass eine solche Sperre ein vollkommen ungeeignetes Mittel im Kampf gegen Kinderpornographie ist.

Unterdessen wurde von einigen Leuten eine Petition an den Bundestag verfasst, die innerhalb weniger Tage weit über die geforderte Stimmenzahl bekommen hat und unterdessen auch den Koalitionspartner SPD veranlasst hat, eine Anhörung zu diesem Thema zu beantragen. Einzig Frau von der Leyen mag nicht von ihrem tollen Erfolg abrücken. Und als dann am Freitag ihr Kollege von Guttenberg in den Nachrichten auch noch los polterte und alle Unterzeichner der Petition in die phädophile Ecke rückte, gab es überaus wütende Proteste. Und natürlich wurde auch flugs im Netz recherchiert und hoppla, Frau zu Guttenberg ist Vorsitzende genau des Vereins, der sich mit dem Entwurf des Gesetzes brüstet, dass sich dann die Familienministerin auf die Fahnen geschrieben hat - Zufall?

Aber kurz zu den Argumenten von Zensurursular: Mit einem solchen “Schild”bürgerstreich lassen sich natürlich Zufallssurfer abschrecken! Aber ob die zur Verbreitung von Kinderpornografie und phädiophielen Inhalten beitragen sei dahin gestellt. Auch wird vom Familienministerium behaupte, damit würde man den Milliarden schweren Markt bekämpfen. Wenn dem so ist: Wieso wird dann nicht das Geld der Betreiber abgeschöpft - wieso nicht die Kreditkarteninstitute aufgefordert, entsprechende Daten herauszurücken? Und wieso wird das BKA nicht personell und materiell soweit ausgestattet, die Betreiber der Server zu identifizieren und zu bestrafen?

Nein, das wenige Personal wird lieber dafür eingesetzt, LISTEN zu tippen!

Um auf den Punkt zu kommen: Es geht bei dieser Aktion weniger um das Ziel, Kinderpornografie zu bekämpfen, sondern darum mit der moralische Zaunlatte eine Massnahme durch zu drücken, um dann später mal P2P Netze, Blogs und was noch alles ebenfalls mit “Stoppschildern” zu versehen! Die Musikindustrie hat schon mal angefragt! Und in einer Antwort an “Spreeblick” meinet Frau von der Leyen, bisher ist nichts weiter geplant! Bisher!

Also Leute: unterschreibt!!!!!!!!

ach ja, die lieben Leute von Spreeblick haben alles noch mal schön aufbereitet und zusammengefasst - inklusive der wichtigsten Hinweise und Hintergründe!
http://www.spreeblick.com/protest-gegen-internetsperren/

(wird fortgesetzt!)