15. Mai 2009

Zensurursular

Kategorie: Allgemeines — Tags: , , , , , – admin @ 01:07

Wie Ihr vielleicht über die Medien mitbekommen habt, hat Familienministerin Ursula von der Leyen zum ganz grossen Schlag gegen Kinderpornografie ausgeholt und damit weite Teile der “Internetgemeinde” auf die Barrikaden getrieben.

Gut und um dass hier am Anfang gleich dick und schwarz und unübersehbar zu tippen: Missbrauch von Kindern (ob jetzt sexuell oder in einer anderen Art) ist ein VERBRECHEN und sollte aufs schärfste verfolgt werden! Und dass mit allen Mitteln die unserer Gesellschaft zur Verfügung stehen!

Nur liebe Frau von der Leyen (und zu Guttenberg) so nun aber auch nicht! Aber der Reihe nach: Nach der vom Wirtschaftsministerium (!) eingebrachten Gesetzesentwurf soll zukünftig das BKA eine Liste von Seiten mit Kinderpornografischen Inhalt erstellen. Diese soll dann an die grossen Provider (Anbieter der Internetzugänge) weitergeleitet werden, die diese Seiten dann mit einem “Stopschild” versehen, so das kein Surfer mehr auf die Seiten zugreifen kann. Soweit die Theorie.

Diese Sperre soll durch den DNS Eintrag ermöglicht werden - das “Telefonbuch” des Internets. Tja, und da fängt die Sache an, ganz schief zu laufen: Dieser DNS Server, der dann das Stoppschild auf die beanstandete Seite “klebt” ist natürlich nicht der einzige DNS Server - genauso wie es ja auch nicht nur eine Telefonauskunft gibt. Für den Internetbenutzer, der sich ein wenig auskennt (bei YouTube gibt es gefühlte alleine 100 Filme darüber, wie eine solche Sperre zu umgehen ist) ist es also kein Problem, mal hinter dieses “Stoppschild” zu sehen - wenn er/sie denn mag!

Weshalb also dann die Aufregung? Es geht hier um ein bisschen mehr, als “nur” die Bekämpfung von sexuellem Missbrauch von Kinder! Es geht ein Stück weit um unsere in der Verfassung verankertes Recht auf freie Meinung und damit auch auf Beschaffung von dieser. Und diese wird ein Stück weit ausgehebelt mit diesem Gesetz. Hier soll eine Behörde (BKA) eine (natürlich) geheime Liste erstellen, auf der dann vermeintlich “böse” Inhalte zu finden sind. Dieses kann aber von NIEMANDEN wirklich nach geprüft werden! Mal ganz davon abgesehen, dass eine solche Sperre ein vollkommen ungeeignetes Mittel im Kampf gegen Kinderpornographie ist.

Unterdessen wurde von einigen Leuten eine Petition an den Bundestag verfasst, die innerhalb weniger Tage weit über die geforderte Stimmenzahl bekommen hat und unterdessen auch den Koalitionspartner SPD veranlasst hat, eine Anhörung zu diesem Thema zu beantragen. Einzig Frau von der Leyen mag nicht von ihrem tollen Erfolg abrücken. Und als dann am Freitag ihr Kollege von Guttenberg in den Nachrichten auch noch los polterte und alle Unterzeichner der Petition in die phädophile Ecke rückte, gab es überaus wütende Proteste. Und natürlich wurde auch flugs im Netz recherchiert und hoppla, Frau zu Guttenberg ist Vorsitzende genau des Vereins, der sich mit dem Entwurf des Gesetzes brüstet, dass sich dann die Familienministerin auf die Fahnen geschrieben hat - Zufall?

Aber kurz zu den Argumenten von Zensurursular: Mit einem solchen “Schild”bürgerstreich lassen sich natürlich Zufallssurfer abschrecken! Aber ob die zur Verbreitung von Kinderpornografie und phädiophielen Inhalten beitragen sei dahin gestellt. Auch wird vom Familienministerium behaupte, damit würde man den Milliarden schweren Markt bekämpfen. Wenn dem so ist: Wieso wird dann nicht das Geld der Betreiber abgeschöpft - wieso nicht die Kreditkarteninstitute aufgefordert, entsprechende Daten herauszurücken? Und wieso wird das BKA nicht personell und materiell soweit ausgestattet, die Betreiber der Server zu identifizieren und zu bestrafen?

Nein, das wenige Personal wird lieber dafür eingesetzt, LISTEN zu tippen!

Um auf den Punkt zu kommen: Es geht bei dieser Aktion weniger um das Ziel, Kinderpornografie zu bekämpfen, sondern darum mit der moralische Zaunlatte eine Massnahme durch zu drücken, um dann später mal P2P Netze, Blogs und was noch alles ebenfalls mit “Stoppschildern” zu versehen! Die Musikindustrie hat schon mal angefragt! Und in einer Antwort an “Spreeblick” meinet Frau von der Leyen, bisher ist nichts weiter geplant! Bisher!

Also Leute: unterschreibt!!!!!!!!

ach ja, die lieben Leute von Spreeblick haben alles noch mal schön aufbereitet und zusammengefasst - inklusive der wichtigsten Hinweise und Hintergründe!
http://www.spreeblick.com/protest-gegen-internetsperren/

(wird fortgesetzt!)

3. Mai 2009

Der Welttag des (Papier-) Buches 09

irgendwie möchte ich in diesem Jahr mal ganz hochoffiziell auch meinen “Senf” zum Welttag des Buches 2009 dazugeben! Natürlich, es ist schön, dass wir einmal im Jahr all die vielen schönen Bücher feiern, uns an den Neuerscheinungen zu erfreuen und und die Mühen der Autoren (und Verleger) würdigen.

In den lezten Jahren ist so einiges auf dem Buchmarkt mächtig ins wanken gekommen. Zuerst sicher die “Revolution” durch Amazone, Bücher online und nicht über den Buchhandel zu vertreiben. Oder die Entwicklung, gleich nach Erscheinen eines Buches auch eine Hörbuch -Fassung heraus zu bringen, hat der Buchhandelsbranche nicht groß geschadet, sondern eher mehr Umsatz verschafft. Doe anderen Probleme waren wohl eher hausgemacht.

Seit ein paar Monaten kündigt sich jetzt die nächste ganz ganz grosse “Revolutionen” an: das E-Book (zum herunterladen auf den heimischen PC, Handy oder auf speziellen Lesegeräten). Zuerst nur ein dumpfes Grollen von der anderen Seite des Teiches scheint es sich in diesem Frühjahr auf den Weg in die alte Welt und in die Heimat der Erfinder des Buchdrucks gemacht zu haben (glaubt man jedenfalls div. Presseagenturen).

Ok, die Idee selber ist schon ein wenig älter. Wie bei dem Projekt “Gutenberg” gibt es schon seit einigen Jahren Bücher für den heimischen PC (meist solche, bei denen das Copyright abgelaufen - will heissen schon ein wenig älter sind - so ab 70 Jahren aufwärts). Und auch die gute (böse) Tante Gurgel Google hat ca. 4 Millionen Texte einfach mal so auf ihre Rechner geladen und später dann mal nachgefragt, ob die Autoren/Verlage das denn in Ordnung finden - fanden die nicht.

Aber schließlich möchten ja auch die Verlage und Autoren da mit verdienen. Die Verlage haben sogar in sicher aufwendigen Befragungen bemerkt, daß die wenigsten Menschen gerne Bücher vor einem mehr oder weniger flackerndem Bildschirm ansehen möchten. Also hat sich Sony hingesetzt und flugs ein Gerät Namens “Kindle” zusammen gebastelt - ein wenig größer als eine Postkarte, mit magischer Tinte und mit 350.- EUR ein bißchen schwerer… Und Amazone ganz “online” möchte jetzt für dieses Gerät ganz viele Bücher verkaufen.

Aber da kommen die Verlage! Panik! E-Books verkaufen ist ja ok - meinetwegen sogar auch über Amazone. Aber die bösen Kunden!  Wie war das mal bei der Musikindustrie, beim Film? Sind doch fast Pleite gegangen, weil alle nur noch geklaute Musik gehört haben… Ok, es gab auch nicht wirklich eine gute Plattform, um legal Musik kaufen zu können - Lauter PIRATEN!! Schlimmer als in Somalia! Also wird auch erstmal fleißig an entsprechenden “Mechanismen” geschraubt, die es unmöglich machen sollen, eine Urheberrechtsgeschützte Datei zu klauen  ähh kopieren. Dabei ist dann auch egal, ob sie dann noch vom Kunden legal benutzt werden kann… Und da es sich ja um einen angeblichen Millionen - Markt handelt, und da nicht nur Sony/Amanzone mitmischen möchte, schafft die Industrie dann auch noch gleich 9 (Neun) verschiedene Formate - mit oder ohne DRM (Digital Right Managment).

Während also bei Musik unterdessen fast nur noch Musik OHNE dieses DRM angeboten wird (und die grossen Labels wohl auch wieder Geld damit verdienen),  scheint man beim E-Books genau diesen Fehler wiederholen zu wollen - schließlich wollen wir Benutzer ja nicht die E- Books lesen sondern hauptsächlich tauschen - oder????
Und wenn dann noch eine “Preisgestaltung” der Verlage hinzukommt, die für jede Datei den gleichen Preis haben will, wie für ein “normales” Buch im Laden - dann Frage ich mich:

Liebe Industrie - habt ihr in den letzten 10 Jahren denn überhaupt NICHTS dazu gelernt?

Wollt einen riesen Reibach machen und denkt, der Kunde ist so doof und merkt das nicht? Sorry Indurtrie - einen Server und vielleicht ein wenig extra Werbung - mehr kostet der Spass Euch doch nicht - und auf der anderen Seite spart ihr ja auch kräftig, einmal ganz abgesehen, daß die Bücher ja eh schon in Digitaler Form bei Euch auf den Rechner liegen!

Nicht dass man mich hier jetzt falsch versteht: Im Grunde bin ich nicht gegen E-Books, halte diese für bestimmte Anwendungen sogar für sehr sinnvoll (z.B. Fachbücher) und denke auch nicht, dass mit E-Books plötzlich alle “Papierbücher” verschwinden werden (und wir den Leseladen dicht machen - in letzter Konsequenz)…aber, dass was sich da die Industrie zusammen gebastelt hat - fällt wohl eher in die Rubrik: Schiffe versenken (um bei den Piraten zu bleiben).

Da stellen sich selbst die jetzigen Vertreter der Nutzlosbranche* - “Schnell reich werden ohne etwas zu arbeiten - mit E-Books” schlauer an!

(*davon ein anderes mal)