Heute im Angebot: „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche
Zimperlich darf man nicht sein und schon gar nicht: prüde. Selbst wenn diese Grundvoraussetzungen stimmen, um das Buch von Charlotte Roche zu lesen und sich in ihre Feuchtgebiete zu begeben, zieht man unwillkürlich an manchen Stellen die Luft durch die Zähne und schaut vermutlich aus, als ob man gerade in eine Zitrone gebissen hätte. Die äußerst Mitfühlenden sinken schmerzverzerrt in sich zusammen. Oder man ist so hartgesotten, um solche Stellen auszuhalten, wie diese, als Helen Memel (die äußerst freizügige Heldin des Romans) sich ihre gerade verheilenden rosenkohlartigen Hämorrhoiden aus freien Stücken noch mal gewaltsam an ihrem Krankenhausbett aufreißt, um länger in dieser Einrichtung bleiben zu können – weil sie dabei ist, sich in den Krankenpfleger zu verlieben und weil sie hofft, dass ihre getrennt lebenden Eltern in gemeinsamer Sorge um die Tochter am Krankenbett wieder zueinander finden. Trocken schlucken ist außerdem angesagt an der Stelle, als Helen beschreibt, dass sie eine Anti-Hygienikerin ist; im Gegenteil versucht, so viel Kontakt zu Bakterien wie möglich zu bekommen – unter anderem, indem sie ihre „Feuchtgebiete“ alles aufsaugen lässt, was eine öffentliche Toiletten-Brille so hergibt. Brrrr. Igitt!!!!! Ansonsten aber hat der wie gesagt Unerschrockene viel Spaß mit dem Buch. Ist schon herrlich frei von der Leber weg geschrieben, kein Blatt vor den Mund genommen und das Feigenblatt vor den Geschlechtsteilen wird auch gleich entfernt. Auf das „Poloch“ bekommt man sowieso freie Sicht; das lässt sich Helen nämlich fotografieren, weil sie sehen will, was der Arzt sieht. Na denn: Lesen bis der Arzt kommt. Weil man sich nämlich fast schlapp lacht. Eine Frage bleibt allerdings offen: Ist die Autorin Charlotte Roche im richtigen Leben auch so? Hat sie das schon selbst erlebt und wenn ja: Was?
