15. Juni 2009

Lesung Jörg Fauser

Kategorie: Buch & Markt — Tags: , , – admin @ 19:31

Liebe Leseladen Freunde,

Am 18. Juni 09 besucht der Verleger Alexander Wewerka vom Alexander-Verlag um 19.30 Uhr Leseladen!

Wir wollen mit dieser neuen Reihe besonders kleine und innovative Verlage aus Deutschland und Europa einem interessiertem Publikum vorstellen. Der Alexander Verlag aus Berlin hat sich mit der Herausgabe von Theater- und Filmliteratur in den letzten 25 Jahren einen Namen ge- macht. In den Theater- und Filmbüchern sollen die Theater- und Filmkünstler in der Regel direkt zu Wort kommen. So erschienen u.a. eine Reihe von Werkstatt- gespräche mit Künstlern wie Peter Zadek oder Robert Wilson.

Daneben gibt der Verlag seit 2002 eine Krimireihe heraus. Seit 2004 erscheint in einer neunbändigen Ausgabe eine Gesamtedition von Jörg Fauser (1944 - 1987), die in diesem Jahr abgeschlossen wurde. Dieser viel zu früh verstorbene Schriftsteller hat wie kaum ein anderer die

bundesrepublikanische Nachkriegsgeschichte beschrieben. Der fast vergessene  Autor und später auch Redakteur, der für die Basler Zeitung, tip-Magazin, Stern, Spiegel, Transatlantik, oder Lui arbeitete, wird mit dieser umfassen- den und großartig ausgestatteten Edition gewürdigt. Neben seinen grossen Romanen “Rohstoff” und “Schneemann”, den Gedichten, Erzählungen und Essays hat er unter anderem auch für Achim Reichel Songtexte geschrieben.

“Ich bin kein netter Mensch, sondern Schriftsteller, einer der Dunkelmänner also, die beim ältesten Verfassungs- schutz der Welt angestellt sind - beim Verfassungsschutz für Sprache und Zweifel“ - Jörg Fauser über sich selbst.

Der „Dunkelmann“ Fauser, „Tourist im eigenen Leben“ (Alexander Wewerka), entzog sich bereits zu Leb- zeiten allen Schubladen, in die er gleichwohl immer wieder hinein gesteckt wurde. So wird man ihm weder mit dem Begriff des “deutschen Bukowskis” gerecht, noch ließ er sich von irgendwelchen Gruppen instrumentalisieren. Dieses ganz Nah am Geschehen sein und andererseits sein unge- trübter distanzierter Blick macht sein Werk zu einem Spiegelbild dieser durch die Wiedervereinigung verloren gegangenen Zeit der Bonner Republik.

»Ein deutscher Kriminalroman mit Schmiß und Witz, also eine Rarität. Fauser erzählt die Verlierergeschichte mit gekonntem Einsatz einschlägiger, oft irrwitzig überdrehter Krimi-Klischees. Er belastet sie nicht mit sozialkritischem Bierernst, wohl aber würzt er die Story mit beeindruckender, ironisch gefilterter Orts-, Milieu- und Branchenkenntnis – ob da Kölner Bahnhofsambiente, Münchner Schickeria oder Frankfurter Underground skizziert werden, “Macher in Halbseide” oder ein alter Vertreter, der in Fußgängerzonen niederrheinischer Kleinstädte “obskure Waschmittel” feilbietet, die “seit 57 Jahren einen aussichtslosen Kampf gegen Henkel führten”. Fauser weist sich als ein Kenner deutscher Wirklichkeiten aus.«

Der Spiegel

Jörg Fauser, der kraftvollste deutsche Autor seiner Generation, wird mit dieser Neuauflage sicher wieder in aller Munde sein.

Der Verleger Alexander Wewerka stellt das Werk von Jörg Fauser in einem Filmporträt und im Gespräch vor. Neben dem Werk von Jörg Fauser wird auch die Produktion und ihre Schwierigkeiten dieses Projektes zur Sprache kommen - sozusagen der Blick von der anderen Seite auf den Buchhandel.

Die Veranstaltung ist übrigens kostenlos.

Weitere Infos gibt es unter:

http://www.jörg-fauser.de/

http://www.alexander-verlag.com/literatur.html

zum lesen zu empehlen:

Fauser, Jörg Rohstoff

Roman. Herausgegeben von Alexander Wewerka


327 Seiten, Alexander Verlag Berlin - Auflage 2008, mit Schutzumschlag. Jörg-Fauser-Edition Band II.

Mit einem Nachwort von Benjamin von Stuckrad-Barre, einem Gespräch mit der Lektorin Hanna Siehr und einem Gespräch zwischen Jörg Fauser und Hellmuth Karasek

ISBN: 978-3-89581-114-2                       19.90 €

19. Mai 2009

Susanna Kolumna schreibt heute über Jörg Fauser: Rohstoff

Kategorie: Buch & Markt — Tags: , , , – admin @ 15:29

Charles Bukowski schrieb zum Tod von Jörg Fauser: “Goodbye Joe, gegen einer LKW kommt keiner an!”

Ich gestehe, das Buch von Jörg Fauser mit dem Titel „Rohstoffe“ sieht jetzt nach dem Lesen fürchterlich aus…. Warum? Das hat so angefangen: Da ich nicht mit dem Kuli in diesem Buch herumkritzeln und schöne Sätze unterstreichen wollte, die ich für die Kolumne verwenden könnte, hab ich einfach mal ein Eselsohr in eine Seite gemacht. So und jetzt wimmelt es nur so von Eselsohren. Komisch, dachte ich doch zu Anfang, als ich das Buch das erste Mal in die Hand genommen habe: „Super, wieder so ein Durchgeknallter, der kettenrauchend, fixend und saufend noch ein paar Zeilen rausgequetscht hat und damit jetzt Kohle machen will. Wer will das wissen und vor allen Dingen: Wen interessiert es, wenn der sich kaputtmacht?“ Und dann das: Eine Seite gelesen und noch eine…
Fausers autobiographischer Held Harry Gelb ist einer, den man locker als Loser bezeichnen würde. Er lebt in besetzten Häusern, mal in Istanbul mit einem anderen Junkie zusammen, er ist Stammgast an den Tresen, an denen die Rente mit schief sitzendem Gebiss die Kehle hinab fließt. Er arbeitet als Wachmann, schleppt Gepäck im Flughafen, arbeitet in einer Bank. Es hat etwas von Rudi Dutschke, wie er sozusagen durch alle Instanzen geht. Er geht der Sache auf den Grund und zwar da, wo der wirkliche Grund ist, der Bodensatz schlechthin. Er ist abhängig vom Unabhängigsein, hält die Welt aus durch ständiges Entfliehen und will sie doch verstehen. Wenn er sich für einen neuen Job vorstellt, dann beschreibt er das so: „Es galt vorzusprechen, meine Existenz zu dokumentieren, einen Eindruck zu hinterlassen, ich wusste nur nicht, welchen.“ Einen starken Eindruck als Schriftsteller, das hinterlässt er auf jeden Fall. Es sind die vielleicht banal, auch abstoßend wirkenden Beschreibungen seines Lebens, auf der einen Seite, auf der anderen die scharf beobachteten Sequenzen des gesellschaftlichen Zusammenlebens und die Erkenntnis, dass letztendlich jeder versucht, irgendwie glücklich zu werden, keiner aber wirklich das Rezept dafür hat und schon gar nicht das Recht, jemand anderem zu sagen, wie verdammt noch mal dessen Auffassung von Glück oder gar dem Platz in der Gesellschaft auszusehen hat, den man einnehmen soll. Am Ende des Buchs beschreibt er, wie er aus einer Kneipe hinausgeworfen wird, weil er die Zeche nicht bezahlen kann. So traurig die Beschreibung auch sein mag, aber wer lächelt nicht bei diesen Sätzen: „Das war es also, das Pflaster. Es schmeckte nicht schlechter als vieles andere, aber gewöhnen wollte ich mich auch nicht daran. Ich suchte meine Brille, bis ich feststellte, dass ich sie in der Hand hielt. Ich setzte sie auf. Aus der Nähe sah dieses Pflaster interessant aus, es gab sogar einen Riß, der durch den Asphalt lief, und in dem Riß sproß ein Grashalm. Wenn das so ist, dachte ich, kannst du auch aufstehn.“ Tapfer und unkaputtbar, Aufstehen und Weitermachen. Und für uns gilt: Lesen, einfach lesen… mehr kann man nicht dazu sagen.