28. Juli 2009

Willkommen in der digitalen Welt

Kategorie: Buch & Markt — Tags: , , , – admin @ 23:07

Über ebooks habe ich ja schon mal getippt. Leider hat sich nun schneller als erwartet genau das herausgestellt - womit schon die Musik- und Filmindustrie ganz böse auf die Schnauze gescheitert ist: den digitalen Büchern einen “Kopierschutz” zu verpassen.

Aber der Reihe nach: Amazone verkauft ja unterdessen fleissig digitale Bücher (hauptsächlich in den USA). Unter anderem auch Georg Orwells Klassiker “1984″. Leider hat sich herausgestellt, dass der Anbieter, von dem Amazone das Buch/Datei erhalten haben, nicht im Besitz der entsprechenden Rechte ist - kann ja mal passieren… Und die Besitzer haben natürlich Amazone wegen Verletzung des Copyrights angezeigt. Also hat Amazone flugs die Daten aus der Datenbank gelöscht. und gleich noch da alles schön mit DRM versiegelt war, natürlich auch schon ALLE bisher gekauften Bücher von 1984 (schon schön ironisch bei dem Titel!!!). Wer also sich das Buch herunter geladen hatte und es am nächsten Morgen weiter lesen wollte - hoppla - nicht mehr da! Inklusive aller vielleicht hinzu gefügten Notizen und Lesezeichen (was ja als grosser Schrott ähh Vorteil beworben wird!) - Dafür gabs dann per Post einen Gutschein! - TOLL

Als ob je ein Verlag auf die Idee gekommen wäre, vom Käufer die Bücher wegen irgend welcher “Rechtsstreitigkeiten” zurück zu verlangen? Und womöglich dafür dann auch noch bei ihm in die Wohnung ein zu brechen?

Hätten ja einfach mal nachfragen können, wie man es nicht macht - zB. die Musikindustrie, die wohl unterdessen eingesehen hat, dass sich CDs nun mal ganz schlecht verkaufen lassen, wenn man da soviel “Schutz” draufbastelt, dass sich die Scheiben in fast keinem Player mehr abspielen lassen. Und dass man mindestens soviel Geld einnimmt, wenn KEIN Kopierschutz (DRM) auf den Songs zum runter laden ist - weil viele Bands ihre Stücke eh selber frei ins Netz gestellt haben…

Naja, die Presseverlage haben da schon bessere Ideen - ihr schrumpfenden Auflagen ein wenig zu “vergolden”: Sie wollen ähnlich wie bei Fotokopieren für jeden PC ein bisschen Geld - dafür bleiben dann ihre Angebote im Netz weiterhin “kostenlos” und dürfen weiterhin nicht kopiert zitiert werden (schlägt der Springer Konzern vor - als ob BLÖD ein wichtiges Informationsmedium im Internet wäre - masslose Selbstüberschätzung bzw. das internet nicht verstanden…)

3. Mai 2009

Der Welttag des (Papier-) Buches 09

irgendwie möchte ich in diesem Jahr mal ganz hochoffiziell auch meinen “Senf” zum Welttag des Buches 2009 dazugeben! Natürlich, es ist schön, dass wir einmal im Jahr all die vielen schönen Bücher feiern, uns an den Neuerscheinungen zu erfreuen und und die Mühen der Autoren (und Verleger) würdigen.

In den lezten Jahren ist so einiges auf dem Buchmarkt mächtig ins wanken gekommen. Zuerst sicher die “Revolution” durch Amazone, Bücher online und nicht über den Buchhandel zu vertreiben. Oder die Entwicklung, gleich nach Erscheinen eines Buches auch eine Hörbuch -Fassung heraus zu bringen, hat der Buchhandelsbranche nicht groß geschadet, sondern eher mehr Umsatz verschafft. Doe anderen Probleme waren wohl eher hausgemacht.

Seit ein paar Monaten kündigt sich jetzt die nächste ganz ganz grosse “Revolutionen” an: das E-Book (zum herunterladen auf den heimischen PC, Handy oder auf speziellen Lesegeräten). Zuerst nur ein dumpfes Grollen von der anderen Seite des Teiches scheint es sich in diesem Frühjahr auf den Weg in die alte Welt und in die Heimat der Erfinder des Buchdrucks gemacht zu haben (glaubt man jedenfalls div. Presseagenturen).

Ok, die Idee selber ist schon ein wenig älter. Wie bei dem Projekt “Gutenberg” gibt es schon seit einigen Jahren Bücher für den heimischen PC (meist solche, bei denen das Copyright abgelaufen - will heissen schon ein wenig älter sind - so ab 70 Jahren aufwärts). Und auch die gute (böse) Tante Gurgel Google hat ca. 4 Millionen Texte einfach mal so auf ihre Rechner geladen und später dann mal nachgefragt, ob die Autoren/Verlage das denn in Ordnung finden - fanden die nicht.

Aber schließlich möchten ja auch die Verlage und Autoren da mit verdienen. Die Verlage haben sogar in sicher aufwendigen Befragungen bemerkt, daß die wenigsten Menschen gerne Bücher vor einem mehr oder weniger flackerndem Bildschirm ansehen möchten. Also hat sich Sony hingesetzt und flugs ein Gerät Namens “Kindle” zusammen gebastelt - ein wenig größer als eine Postkarte, mit magischer Tinte und mit 350.- EUR ein bißchen schwerer… Und Amazone ganz “online” möchte jetzt für dieses Gerät ganz viele Bücher verkaufen.

Aber da kommen die Verlage! Panik! E-Books verkaufen ist ja ok - meinetwegen sogar auch über Amazone. Aber die bösen Kunden!  Wie war das mal bei der Musikindustrie, beim Film? Sind doch fast Pleite gegangen, weil alle nur noch geklaute Musik gehört haben… Ok, es gab auch nicht wirklich eine gute Plattform, um legal Musik kaufen zu können - Lauter PIRATEN!! Schlimmer als in Somalia! Also wird auch erstmal fleißig an entsprechenden “Mechanismen” geschraubt, die es unmöglich machen sollen, eine Urheberrechtsgeschützte Datei zu klauen  ähh kopieren. Dabei ist dann auch egal, ob sie dann noch vom Kunden legal benutzt werden kann… Und da es sich ja um einen angeblichen Millionen - Markt handelt, und da nicht nur Sony/Amanzone mitmischen möchte, schafft die Industrie dann auch noch gleich 9 (Neun) verschiedene Formate - mit oder ohne DRM (Digital Right Managment).

Während also bei Musik unterdessen fast nur noch Musik OHNE dieses DRM angeboten wird (und die grossen Labels wohl auch wieder Geld damit verdienen),  scheint man beim E-Books genau diesen Fehler wiederholen zu wollen - schließlich wollen wir Benutzer ja nicht die E- Books lesen sondern hauptsächlich tauschen - oder????
Und wenn dann noch eine “Preisgestaltung” der Verlage hinzukommt, die für jede Datei den gleichen Preis haben will, wie für ein “normales” Buch im Laden - dann Frage ich mich:

Liebe Industrie - habt ihr in den letzten 10 Jahren denn überhaupt NICHTS dazu gelernt?

Wollt einen riesen Reibach machen und denkt, der Kunde ist so doof und merkt das nicht? Sorry Indurtrie - einen Server und vielleicht ein wenig extra Werbung - mehr kostet der Spass Euch doch nicht - und auf der anderen Seite spart ihr ja auch kräftig, einmal ganz abgesehen, daß die Bücher ja eh schon in Digitaler Form bei Euch auf den Rechner liegen!

Nicht dass man mich hier jetzt falsch versteht: Im Grunde bin ich nicht gegen E-Books, halte diese für bestimmte Anwendungen sogar für sehr sinnvoll (z.B. Fachbücher) und denke auch nicht, dass mit E-Books plötzlich alle “Papierbücher” verschwinden werden (und wir den Leseladen dicht machen - in letzter Konsequenz)…aber, dass was sich da die Industrie zusammen gebastelt hat - fällt wohl eher in die Rubrik: Schiffe versenken (um bei den Piraten zu bleiben).

Da stellen sich selbst die jetzigen Vertreter der Nutzlosbranche* - “Schnell reich werden ohne etwas zu arbeiten - mit E-Books” schlauer an!

(*davon ein anderes mal)