22. September 2009

noch schnell mal vor der Wahl…

Kategorie: Allgemeines, Veranstaltungen — admin @ 01:41
Diese in kursiv getippten Fragen habe ich allen unseren Abgeordneten- ok die NPD mal gleich vorn weg gelassen -  im Wahlkreis (Pforzheim) gestellt, aber leider nur diese eine Antwort erhalten! Auch wenn sich fast alle Parteien neuerdings ein “freies” Internet auf ihre Fahnen geschrieben haben und zur Bundestagswahl sogar eine (Piraten-) Partei neu antritt, die nur dieses eine Ziel in ihrem Programm hat, war ich mehr auf die (ja leider nicht vorhandenen) Zwischentöne gespannt! Schade…
Ach so: Die Fragen habe ich zum Teil von der Seite “Vorratsdatenspeicherung” übernommen - einfach weil sie dort schön kompakt und mit allen mir wichtigen Inhalten vorhanden waren (soweit zum (c) ).
Aber ich denke die Diskussion über Urheberrecht, dessen Verletzung und die Datensammelwut einiger Politiker hat gerade erst begonnen. Deshalb an dieser stelle eine “Klarstellung”:
Ich bin nicht für ein “rechtsfreies” Internet! Das gilt sowohl für Straftaten wie Kinderpornografie, Mobbing und andere Taten, die anderen Menschen schaden. Und dazu gehört auch das stehlen von geistigen Eigentum - sei es Film oder Musik, Artikel oder Bilder. Ich bin aber dagegen, gleich sämtliche Benutzer dieses Mediums unter einen Generalverdacht zu stellen und die Beweislast zu Ungunsten der Nutzer um zu drehen. Das Internet ist ein grosses demokratisches Werkzeug, an dem sich jeder der mag und gewisse Regeln einhält beteiligen kann und soll. Das scheint leider auch wenigen Leuten Angst ein zu jagen - nicht nur im Iran oder China…
___________________________________________________
Liebe Herr Killiç,
ich bin gerade dabei, mich ein wenig näher über die Programme der einzelnen Parteien zur Bundestagswahl zu informieren. Da ich mich selber für (Inter-) Netzpolitik interessiere und ein eigenes persönliches Blog betreibe, habe ich einige Fragen an Sie bzw. an ihre Mitarbeiterinnen:
1. Wird es mit Ihrer Partei in der Regierung Massnahmen wie Graduate Response / 3 Strikes bei wiederholten Urheberrechtsverstössen geben?
2. Werden Sie sich in der Regierung dafür einsetzen, den Schutz der Netzneutralität gesetzlich zu verankern um damit Benachteiligung einzelner Anwendungen zu verhindern?
3. Wird Ihre Partei in der Regierung die Ausweitung der Netzsperren auf andere Bereiche als Kinderpornographie mit beschließen oder lehnen Sie dies kategorisch ab?
4. Unterstützen Sie die Forderung, Freie Software und Open-Source-Projekte wie Wikipedia oder OpenStreetMap zu fördern und wenn ja, wie?
Was haltern Sie vom Zugangserschwerungsgesetz – ZugErschwG- “Internetsperren” Halten Sie die Entscheidung (damit meine ich AUSDRÜCKLICH NICHT den Kampf gegen Kinderpornografie - sondern die Methode!) auch auf Grund der Diskussionen und Onlinepetition für richtig?es würde mich freuen, wenn sie mir auf diese Fragen antworten würden, mit freundlichen Grüßen Rainer Buschkiel

Ps: Bitte teilen Sie mir auch mit ob und in welchem Umfang ich Ihre Antwort auf meinem Block veröffentlichen darf!

Antwort von Memet Kiliç vom 09.09.2009
Zu 1.: Nein, das beeinträchtigt massiv die Bürgerrechte!
Zu 2.: Ja, die Netzneutralität muss bewahrt werden!
Zu 3.: Wir lehnen jegliche Access-Sperren kategorisch ab!
Zu 4: Ja, wir unterstützen die Anwendung von Open Source, Freier Software, Freien Funknetzwerken, Offenen Formaten und innovativen Lizenzen. Sie müssen stärker als bisher Einzug in Bildungseinrichtungen und die öffentliche Verwaltung finden, weil sie kostengünstiger, energiesparender und grundsätzlich sicherer sind. Im Wissenschaftsbereich unterstützen wir Open Access. Forschungsergebnisse, die mit öffentlichen Geldern erzielt wurden, sollen der Öffentlichkeit auch frei zugänglich sein. Gleiches gilt für öffentliches Wissen, das in Behörden und Archiven schlummert. Dieses gilt es, durch offene Lizenzen frei zugänglich zu machen. Wo immer sich die öffentliche Verwaltung auf Standards festlegt, müssen – soweit verfügbar – offene und patentfreie Standards bevorzugt werden. Gleiches gilt für die Dateiformate aller von der Verwaltung veröffentlichten Dokumente.
Zum Zugangserschwerungsgesetz: Nein, ich und meine Partei sind ausdrücklich dagegen. Access-Sperren sind der falsche Weg. Eine Alternative wäre, die Vorgehensweise von Banken gegen Phishing. Die Phishing Seiten werden in der Regel innerhalb von wenigen Stunden vom Netz genommen.

PS. Gerne können Sie meine Antworten auf Ihrem Block veröffentlichen.

Ach so und weil wir gerade dabei sind:

Zur Zeit gibt es eine Menge mehr oder weniger intelligente “Wahlhilfen” im Internet - angefangen von dem Wahlomat der öffentlich rechtlichen Meinungsforscher und anderen Entscheidungsfindern - und leider haben die alten Freunde (Belleros Premium Media Limited) aus der “Nutzlosbranche” dieses “Geschäftsfeld” entdeckt und biete einen solchen Test für schlappe 60.- EURO!!!! an was natürlich erst erkennbar ist, wenn man/frau die Seite runter scrollt! Also stutzig werden, falls ihr etwa bei der ja geheimen Wahl aufgefordert werdet, Name, Adresse und Bankverbindung ein zu geben! Da steckt nix Gutes hinter!

21. Juni 2009

Europäische Summerlounge

Kategorie: Allgemeines, Veranstaltungen — Tags: , – admin @ 16:05

Summerloung mit Lino und so

3. Mai 2009

Der Welttag des (Papier-) Buches 09

irgendwie möchte ich in diesem Jahr mal ganz hochoffiziell auch meinen “Senf” zum Welttag des Buches 2009 dazugeben! Natürlich, es ist schön, dass wir einmal im Jahr all die vielen schönen Bücher feiern, uns an den Neuerscheinungen zu erfreuen und und die Mühen der Autoren (und Verleger) würdigen.

In den lezten Jahren ist so einiges auf dem Buchmarkt mächtig ins wanken gekommen. Zuerst sicher die “Revolution” durch Amazone, Bücher online und nicht über den Buchhandel zu vertreiben. Oder die Entwicklung, gleich nach Erscheinen eines Buches auch eine Hörbuch -Fassung heraus zu bringen, hat der Buchhandelsbranche nicht groß geschadet, sondern eher mehr Umsatz verschafft. Doe anderen Probleme waren wohl eher hausgemacht.

Seit ein paar Monaten kündigt sich jetzt die nächste ganz ganz grosse “Revolutionen” an: das E-Book (zum herunterladen auf den heimischen PC, Handy oder auf speziellen Lesegeräten). Zuerst nur ein dumpfes Grollen von der anderen Seite des Teiches scheint es sich in diesem Frühjahr auf den Weg in die alte Welt und in die Heimat der Erfinder des Buchdrucks gemacht zu haben (glaubt man jedenfalls div. Presseagenturen).

Ok, die Idee selber ist schon ein wenig älter. Wie bei dem Projekt “Gutenberg” gibt es schon seit einigen Jahren Bücher für den heimischen PC (meist solche, bei denen das Copyright abgelaufen - will heissen schon ein wenig älter sind - so ab 70 Jahren aufwärts). Und auch die gute (böse) Tante Gurgel Google hat ca. 4 Millionen Texte einfach mal so auf ihre Rechner geladen und später dann mal nachgefragt, ob die Autoren/Verlage das denn in Ordnung finden - fanden die nicht.

Aber schließlich möchten ja auch die Verlage und Autoren da mit verdienen. Die Verlage haben sogar in sicher aufwendigen Befragungen bemerkt, daß die wenigsten Menschen gerne Bücher vor einem mehr oder weniger flackerndem Bildschirm ansehen möchten. Also hat sich Sony hingesetzt und flugs ein Gerät Namens “Kindle” zusammen gebastelt - ein wenig größer als eine Postkarte, mit magischer Tinte und mit 350.- EUR ein bißchen schwerer… Und Amazone ganz “online” möchte jetzt für dieses Gerät ganz viele Bücher verkaufen.

Aber da kommen die Verlage! Panik! E-Books verkaufen ist ja ok - meinetwegen sogar auch über Amazone. Aber die bösen Kunden!  Wie war das mal bei der Musikindustrie, beim Film? Sind doch fast Pleite gegangen, weil alle nur noch geklaute Musik gehört haben… Ok, es gab auch nicht wirklich eine gute Plattform, um legal Musik kaufen zu können - Lauter PIRATEN!! Schlimmer als in Somalia! Also wird auch erstmal fleißig an entsprechenden “Mechanismen” geschraubt, die es unmöglich machen sollen, eine Urheberrechtsgeschützte Datei zu klauen  ähh kopieren. Dabei ist dann auch egal, ob sie dann noch vom Kunden legal benutzt werden kann… Und da es sich ja um einen angeblichen Millionen - Markt handelt, und da nicht nur Sony/Amanzone mitmischen möchte, schafft die Industrie dann auch noch gleich 9 (Neun) verschiedene Formate - mit oder ohne DRM (Digital Right Managment).

Während also bei Musik unterdessen fast nur noch Musik OHNE dieses DRM angeboten wird (und die grossen Labels wohl auch wieder Geld damit verdienen),  scheint man beim E-Books genau diesen Fehler wiederholen zu wollen - schließlich wollen wir Benutzer ja nicht die E- Books lesen sondern hauptsächlich tauschen - oder????
Und wenn dann noch eine “Preisgestaltung” der Verlage hinzukommt, die für jede Datei den gleichen Preis haben will, wie für ein “normales” Buch im Laden - dann Frage ich mich:

Liebe Industrie - habt ihr in den letzten 10 Jahren denn überhaupt NICHTS dazu gelernt?

Wollt einen riesen Reibach machen und denkt, der Kunde ist so doof und merkt das nicht? Sorry Indurtrie - einen Server und vielleicht ein wenig extra Werbung - mehr kostet der Spass Euch doch nicht - und auf der anderen Seite spart ihr ja auch kräftig, einmal ganz abgesehen, daß die Bücher ja eh schon in Digitaler Form bei Euch auf den Rechner liegen!

Nicht dass man mich hier jetzt falsch versteht: Im Grunde bin ich nicht gegen E-Books, halte diese für bestimmte Anwendungen sogar für sehr sinnvoll (z.B. Fachbücher) und denke auch nicht, dass mit E-Books plötzlich alle “Papierbücher” verschwinden werden (und wir den Leseladen dicht machen - in letzter Konsequenz)…aber, dass was sich da die Industrie zusammen gebastelt hat - fällt wohl eher in die Rubrik: Schiffe versenken (um bei den Piraten zu bleiben).

Da stellen sich selbst die jetzigen Vertreter der Nutzlosbranche* - “Schnell reich werden ohne etwas zu arbeiten - mit E-Books” schlauer an!

(*davon ein anderes mal)